Der Wecker im Handy gibt zwar wie gewünscht Laut, aber
irgendein
Zwerghahn war schneller. Und so bin ich schon um halb sieben wach und
kann mir den Himmel anschauen: dunkle Wolken, aber kein Regen. Also
weiter, ab nach England.
Nach 500 Metern fällt mein
Blick auf die Ladekontroll- leuchte und
sie leuchtet! Schön hell !! Nicht das noch. Also ab
auf die
nächste große Tankstelle und nach dem
nächsten
Boschdienst gefragt. Doch die Angestellten haben von sowas heutzutage
keine Ahnung mehr und können mir nur mit den gelben Seiten
dienen.
Drei Anrufe später steht das nächste Ziel fest, der
Bosch-Dienst in Düsseldorf.
Das schaffe ich auch nur mit dem
Batteriestrom locker und ich fahre los. Nach wieder 500 Metern spingt
mir die Ladekontrolleuchte wieder ins Auge, diesmal aber dadurch, dass
sie nicht leuchtet - auch nicht dunkel. Sie leuchtet einfach garnicht,
auch nicht mit Standgas und nicht bei Vollgas. Deshalb bin ich
wagemutig und fahre am Abzweig nach Düsseldorf
geradeaus Richtung Eifel.
Dieser Mut zahlt sich aus, die Elektrik des Rollers hat sich nur
einen Scherz mit mir erlaubt und versucht das nicht noch einmal. (Einen
guten Witz erzählt man denselben Leuten auch nur einmal.)
Meine heutige Mittagspause findet
statt im wärmsten Sonnenschein
am Hambacher Tagebau.
Man kann dazu stehen wie man will, aber die
gewaltigen Löcher und Abraumhalden, gespickt mit den riesigen
Maschinen sind schwer beeindruckend.
Kurz nach dem Tagebau beginnt die Kletterei. Die Höhenangaben
der Eifel
sind wenig beeindruckend, die Steigungen aber doch, ich muss hier
buchstäblich einen Gang zurückschalten. Kaum bin ich halbwegs
oben in Nideggen,
da fällt mir das alte Wasserkraftwerk in Heimbach
ein, das ich unbedingt sehen will. Also wieder runter. Das
Kraftwerk ist zwar klein, kann aber damit trumpfen, dass es schon 1905
in Betrieb genommen wurde und vieles vom Innenleben noch aus dieser
Zeit stammt - sehenswert! Ich kann aber nicht lange bleiben, Samstag
ist das Bellatreffen. Also wieder rauf ...
Hinter Schleiden verlasse ich die Bundesstraße und kurve nach
Sonnenstand Richtung Süden. Die Sonne scheint nicht mehr
richtig,
aber ich kann sehen, wo sie steht, dafür sind die Kurven
deutlich
auszumachen. Solche Kurverei macht mir
normalerweise richtig
Spaß, aber mein Gepäck verhindert irgendeine
großartige Schräglage. Deshalb habe ich von Kurven
bald die
Nase voll und lasse den Roller ab Hallschlag
auf die
Eifelhöhenstraße klettern. Von meinen
früheren
Ausflügen in Eifel
und Hunsrück
weiß ich, dass die
Höhenstraßen ziemlich gerade und ohne
großartige
Höhendifferenz durch Land ziehen - dafür ist die
Aussicht
großartig.
Und so erreiche ich um 19 Uhr den
Campingplatz in Neuerburg,
10
Kilometer vor der Grenze zu Luxemburg. Das Zelt baue ich hastig auf, da
schon erste Hagelkörner fallen. "Hastig" nutzt allerdings
nichts
bei einem Igluzelt: die zusammensteckbaren Stangen zwingen zu
sorgfältiger Arbeit. Ich schaffe es gerade noch so vor dem
großen Guss. Eine Stunde später ist der Hagelspuk
wieder
vorbei und mir fällt ein, dass ich ja noch eine Statusmeldung
nach
Hause absetzen muss. Aber der Campingplatz liegt in einem
wunderschönen kleinen Tal und in solchen Tälern gibt
es
üblicherweise keine Handyempfang. Also ich zum Roller:" Bring
mich
mal auf den nächsten Berg". 5 Minuten später stehe
ich eben
dort, habe eine wunderschöne Rundumsicht und muss lernen, dass
das
immer noch keinen Handyempfang garantiert. Muss Frau eben im Ungewissen
bleiben ...