Um 8 Uhr bin ich wieder wach. Es hat
die ganze Nacht geregnet, aber
jetzt gerade nicht, es hängen nur dunkle Wolken über
mir. Das
mittelenglische Industriegebiet liegt hinter mir, eine leicht bergige
Gegend namens The
Pennines vor mir. Das heißt: nicht ganz vor
mir, denn genau im Norden liegt das Städtezentrum MiddlesBrough/Newcastle. Aber Edinburgh liegt
nordnordwestlich von mir
und deshalb ist das die bevorzugte Himmelsrichtung. Diese
Orientierungsweise soll in der Wüste sehr hilfreich sein, ohne
Sonne nutzt sie aber nicht. Vielleicht sollte ich mir doch ein
Navigationsgerät kaufen?
Egal, als nächste größere Stadt in meiner
Richtung
zeigt mir die Karte einen Ort namens Catterick Garrison
und den peile
ich an. Aber: ich finde ihn nicht, nur ein kleines Dorf namens
"Catterick".
Mir bleibt nur, zu fragen, wie ich zu den
nächsten
kleineren Städten komme: Richmond
und Barnhard Castle.
Beim
Fragen
mit der Karte in der Hand (was mal wieder 15 Minuten dauert, weil der
Befragte schon etwas älter ist und meinen Roller beim Namen
nennen
kann und auch mal einen hatte, wenn auch nur kurze Zeit usw.)
löst
sich das Rätsel: Catterick Garrison ist schlicht falsch
geschrieben in der Karte, denn es handelt sich um die "Garnison
Catterick" und ein militärischer Standort ist -
wie so oft -
nicht
ausgeschildert. Ich fahre mitten durch und die Karte hat nicht
übertrieben, die Garnison ist eine Riesenstadt.
Als ich Barnhard Castle
erreiche, hat
das Wetter aufgeklart, die Sonne
scheint. Wie üblich stelle ich den Roller mitten auf dem
zentralen
Platz ab, sehe mich um und suche auf der Karte den weiteren Weg. Ab
hier gibt es wegen der "Berge" weit
weniger Straßen und
für
mich gibt es nur eine einzige: am Flüsschen Tees entlang,
über den Pass Burnhope
Seat (650 Meter), weiter am South
Tyne
nach Greenhead
am Hadrianswall.
Eine lange Strecke ohne wesentliche
Besiedlung und so tanke ich noch und kaufe das Wichtigste ein. Dann
muss ich noch mal kurz jemanden nach dem richtigen Weg aus der Stadt
raus fragen
und dieses "kurz" ist mal eben eine halbe Stunde, denn der
alte hagere Mann mit der Pfeife im Mund, den ich frage, kennt mein
Rollermodell, hatte, machte, wollte, träumte, Lambretta,
woher,
wohin usw. Und: "Great work!". Wieder kann ich dieses Leuchten in
den Augen nicht fotografieren ....
Um 18 Uhr bin ich in Greenhead am Hadrianswall, leider
zu spät
für eine Besichtigung der alten römischen Mauer gegen
die
Schotten. Macht nix, die läuft nicht weg, die kann ich immer
noch
mal besichtigen. Die Tour durch die Berge war einfach schön,
das
Wetter hat sich sonnig gehalten, kaum Straßenverkehr, nur
Schafe.
Hier bin ich über die ersten "Cattle Grids" gefahren, die
Stangengitter, die das Vieh am Ausreißen hindern. Die
Straße verläuft immer auf halber Höhe am
Bergzug lang,
ist dadurch ziemlich kurvig, enthält aber nur Steigungen, die
nicht zum Schalten zwingen und bietet eine grandiose Sicht, denn Hecken
und Bäume sind hier Mangelware. Den Hauptabzweig von der
Durchgangsstraße nach Greenhead
habe ich verpasst, an der
zweiten
Möglichkeit war ich zu schnell, der dritte Abzweiger entpuppte
sich als schmaler alphaltierter Feld- und Waldweg mit 20%
Gefälle
und Steigung. Das ist so steil, dass ich bergab Angst in Sachen
Bremsfading bekam (völlig unbegründet) und rauf den
ersten
Gang nehmen musste. Abenteuerliche 5 Kilometer mit reichlich kleinen
alten Steinbrücken durch dicken Wald mit dem Gefühl:
"Wenn Du
jetzt einen Unfall baust und kannst nicht mehr selbst Hilfe holen, dann
finden sie Dich erst im späten Herbst beim Ausforsten als
Skelett.
Aber der Roller wird noch anspringen ...".
Der Platz hier ist klein, ruhig und
komplett ausgestattet. Er bietet
bei trockenem Wetter Platz für 4 Wohnmobile und 12 Zelte, bei
Regen sind es 4 Zelte weniger und ich nehme mir einen von den anderen 8
Zeltplätzen. Ein huzzeliges redseliges freundliches
Mütterchen (Sie könnte die Frau von dem Platzwart in
in
Heathfield sein) knöpft mir für die Nacht 4 Pfund ab,
schenkt
mir dann aber zwei 10-Pence-Münzen für die Dusche.
Damit wird
dieser Platz am Ende der Reise der billigste sein.