8 Uhr: das "übliche" Wecken
mit Trommeln und Trompete, kurz
danach
klingelt der Wecker. Ich krabble aus dem Zelt und um mich rum ist schon
reges Treiben am Gange, denn gleich findet die "Jahreshauptversammlung"
statt. Das Wetter: es hat sich massiv zugezogen, es riecht ganz
furchtbar nach Regen. Schon beim Anblick des Himmels würde ich
am
liebsten hierbleiben, aber ich habe ja ab jetzt ein neues Ziel: Loch Ness. Diesmal allerdings ein Ziel ohne Termin.
Um halb elf bin ich mit dem Packen fertig und muss meinen Roller in die
Linie aller Roller stellen, denn jetzt folgt das "photoshooting" und
die Wahl des schönsten Fahrzeugs. Das habe
ich natürlich
nicht, aber das Motiv einer bepackten reisefertigen Bella ist
unwiderstehlich.
Ein Clubmitglied verrät mir: wenn es
einen
Preis
für das schönste Detail geben würde, dann
wäre
meine "flask" - die stets griffbereite Thermosflasche - der erste
Kandidat. Da es den Preis nicht gibt, muss ich mich "begnügen"
mit
dem "Chairmans Award 2007", einem Whiskeyglas mit eben dem Schriftzug.
Und eine DVD vom letzten Clubtreffen gibts auch noch.
Um 12 bin ich dann
abfahrbereit. Jemand fragt mich, welchen Weg ich
denn jetzt fahren werde und ich sage, dass wisse ich noch nicht so
genau, denn meine Karte zeige nur "gelb" für alle
Straßen
außer der A1. Woraufhin er sofort zu seinem Autoatlas greift
und
genau die Seite, die ich für meine Weiterfahrt brauche
herausreißt Diese hat den Vorteil, dass die
Durchgangsstraßen (B-Roads) orange von den C-Roads abgesetzt
sind. Das hilft ungemein. Und ganz zum
Schluss finde
ich noch jemand,
der eins der beiden "Pflichtfotos" macht: mein Roller mit mir vor dem
Tor von Stanford Hall.
(Wieder zu Haus werde ich feststellen, dass das
das einzige Foto von der ganzen Reise ist, welches mein Computer wegen
eines Fehlers nicht anzeigen will ...). Ich fahre los, drehe noch eine
Runde für alle, die fotografieren und filmen, und bin weg.
Danke!
Die
orange Strassen- kennzeichnung hilft sehr und ich komme relativ
schnell vorwärts bis Melton
Mowbray, dort ist wohl die Farbe
ausgegangen. Schade, denn ich muss jetzt östlich an Nottingham
vorbei (Angst vor dem Sheriff!) und die Sonne scheint nicht
(Orientierung an der Himmelsrichtung), Nieselregen hat eingesetzt. So
geht es etwas langsamer weiter bis nach Newark on Trent.
Dort mache ich
Pause und will meinen Roller - wie sonst auch - in der
Fußgängerzone abstellen. Doch der Sheriff von Nottingham hat
seine Helfer auch hier, und einer von denen bittet mich freundlich, den
Motorradparkplatz um die Ecke zu benutzen. In diesem Moment
fängt
es an zu schütten und so schiebe ich den Roller 10 Meter
weiter
unter die Arkaden eines Geldinstituts . Der Bobby ist zufrieden und
lächelt mich an: "This is private ground and there I have
nothing
to say".
Newark
liegt - wie der Name schon sagt
- am Fluss Trent
und der zeigt
mir für die folgende Zeit den Weg, ich bleibe auf seiner
östlichen Seite. Die Gegend erinnert mich an zu Hause: nasses
topfebenes Marschland, dünn besiedelt und deshalb wie
ausgestorben. Im Dorf East
Ferry kann ich mich nicht
zurückhalten
und rufe "Hallo, ist da jemand?" Es ist niemand da oder zumindest hat
sich keiner gemeldet, es ist Sonntag und wahrscheinlich sind alle zu
Besuch bei den Verwandten in der Stadt.
Der Trent bildet mit dem
Fluss Ouse
den Humber,
an dem Kingston upon
Hull liegt. Dort kommt man nur per Autobahntunnel weiter
nach Norden
und deshalb überquere ich den Trent kurz vorher nach Westen,
danach komme ich per normaler Straße bei Goole über
die Ouse
während es schon dunkler wird. Letzteres liegt nicht so sehr
an
der Uhrzeit, sondern am Wetter und so fängt es in
Höhe York,
10 Meilen vor dem angepeilten Zeltplatz, an zu schütten. Doch
nur
eine Meile weiter sehe ich ein Hinweisschild auf den nächsten
Platz und folge dem sofort. Drei Meilen weiter bin ich schon dort,
verkrümle mich unter die nächste dicke Kiefer und
baue auf.
Glück gehabt, nicht ganz nass geworden, nur halbnass .. Es war
eine Scheißidee, überhaupt loszufahren! Es ist ein
Wetter,
wie Anfang April und eigentlich sollten wir Hochsommer haben. Immerhin
ein beruhigendes Gefühl, dass der Roller sich ums Wetter nicht
schert.