8
Uhr: es stürmt, es nieselt und dank Ostwind ist es
schweinekalt.
Die Wolken hängen so tief, dass ich die - jetzt nach Osten
startenden - Flugzeuge nicht mehr sehen kann.. Ich werde noch einen Tag
in Edinburgh verbringen. Denn Nässe ist eine Sache,
Kälte
auch eine, beides zusammen muss ich nicht haben. Beides zusammen
kriecht beim Motorradfahren durch die Kleidung, egal, wie man angezogen
ist und macht gefühllos. Die Gehirnfunktion sinkt, die
Reaktionszeit verlängert sich auf Sekunden, die
Überlebenschancen sinken. Die Gefahr ist groß, dass
irgendwann ein großes Schild virtuell auftaucht, auf dem
steht.
"Es ist ja doch alles egal". Und dann wartet schon der nächste
Baum oder der Straßengraben oder ....
Meine Vorräte haben inzwischen ihren Namen nicht mehr verdient
und
ich kaufe ein. Mein Spiritus langt nur noch für 2 mal Kaffee
oder
Tee kochen. Der örtliche kleine Supermarkt hat nichts
dergleichen,
auf meine entsprechende Frage reagiert das Verkaufspersonal zuerst mit
Nichtverstehen, dann bekomme ich eine Wegbeschreibung zu einem
Marktzentrum. Das "marketcenter" ist wirklich eins: ein riesiger
Parkplatz mit jeder Menge einzelner Märkte, die jede Art von
Ware
verkaufen. Ein Lebensmittelmarkt, ein Baumarkt, ein MamieundBaby-Markt,
ein Hifi-Center, ein Elektrogroßgerätemarkt usw.
Der Lebensmittelmarkt versucht es auf meine Frage nach "alcohol for
burning purposes" mit der Abteilung für Grundnahrungsmittel,
dort
steht neben den Zuckerhüten der 54-prozentige Rum, ansonsten
ist
man ratlos. Im Baumarkt schickt man mich von der Farbenabteilung zur
Gartengrillecke und zurück, aber: Pustekuchen. Es ist dringend
mit
dem Spiritus und deshalb frage ich auf dem Parkplatz irgendwelche
Männer um Rat und schon der dritte hat definitiv gerafft, was
ich
brauche. Er macht nicht mal den Versuch, mir was zu zeigen oder zu
erklären, sondern bedeutet mir nur, ihm zu folgen. Das tue ich
bis
in einen Drogeriemarkt und dort spricht er mit erst mit einer, dann mit
noch einer Verkäuferin und letztere greift unter einen
Kassentresen und stellt eine Flasche mit einer Flüssigkeit auf
den
Tisch. Das soll Spiritus sein, riecht aber ganz anders, sieht aus wie
Meister Propper und kostet mehr, als die gleiche Menge brennbarer Rum.
Na, mal sehen ...
Am
Nachmittag fahre ich noch einmal in die Princess Road (die
touristische Hauptstraße von Edinburgh) und tauche noch mal
ein
in das Pflichtprogramm. Diesmal mit Essen: Fish and Chips muss man ja
mal gehabt haben, damit man mitreden kann. Ich
kann das jetzt und werde
es deswegen nicht noch einmal essen. Für dies Erfahrung waren
umgerechnet 15 Euro fällig. Wahrscheinlich kostet 5 Euro die
Tatsache, dass sich der Imbiss in der "Princess Mall" befindet.
Anschließend hat der Roller mich auf den Castle Hill gebracht,
aber
im Castle wurde irgendeine Veranstaltung vorbereitet und ich kam nicht
rein. Der Bahnhof wimmelte förmlich von Sicherheitspersonal,
das Scotts
Monument war von Fotoapparaten umlagert, die Bänke haben
mich begeistert nach der Lauferei. Die Bänke: es hat sich
eingebürgert dort, dass Angehörige von Verstorbenen,
die
dieser Stadt besonders zugetan waren, zum Gedenken an ihn eine Bank an
der Princess Street aufstellen mit einer Gedenktafel dran. Das freut
den Wandersmann und dort kann man wunderbar die üblichen
Postkartengrüße schreiben: "Bin in Edinburgh, mir
geht es
gut, das Wetter ist Klasse, Grüße aus der Ferne" usw.