Tag 12
Heute Nacht hat irgendwann der Regen aufgehört und ein Rest dunkler Bewölkung hängt noch am Himmel. Wir machen uns fertig.
Karin macht sich noch ein wenig fertiger: sie hat sich beim letzten Einkauf eine Rundbürste gekauft, aber wohl nicht damit gerechnet, dass die hiesigen Bürsten ziemlich widerspenstig sind. Ich muss sie mit einer 10-minütigen Fummelarbeit retten.
Heute machen wir nichts anderes, als zu einem Campingplatz in der Nähe von Rjukan zu fahren. Das sind 260 Kilometer und bei den hiesigen Straßen ist man dafür den ganzen Tag unterwegs. Wir brauchen genau 5 Stunden und 13 Minuten, eine Fährfahrt und eine Pause eingerechnet. Die Route führt uns zuerst 160 km nach Norden und dann noch 100 km nach Osten tief ins Binnenland hinein. Die Strecke nach Osten geht am Südrand des berühmten Hardangervidda entlang und wir klettern dabei auf über 1000 Meter. Das ist für Norwegen schon ziemlich heftig. Es liegt oben noch viel Schnee, die Seen sind zugefroren. Aber seht selbst:
Auf der Fähre kommt niemand zum Kassieren, das geht alles über die Kennzeichenerfassung.
Die ersten 160 km nach Norden sind genauso wie bisher: alles tierisch kurvig, oft eng, Schnittgeschwindigkeit 40 km/h. Und weil das so lange dauert, machen wir gegen Ende der ersten Etappe eine Pause an einer Nebenstraße mit Wildbach.
Ab jetzt fahren wir nach Osten, es geht langsam immer höher. Allerdings folgt die Straße dem Bach und nicht einem Fjordrand und dadurch kann ich endlich lange Strecken die erlaubten 80 fahren. Es gibt viel Tunnel und manche sind nicht beleuchtet. Das entspricht beim jetzigen Sonnenschein der Einfahrt in ein schwarzes Loch!
Wir erreichen endlich unseren Zielort Amot, in dem es zwei Campingplätze geben soll. Wir fahren natürlich den schönen an, auf dem man direkt am Bach stehen kann.
Pech: eine riesige Baustelle. Das Schild an der Einfahrt heißt uns zwar herzlich willkommen. Aber außer Baumaterialien, Schotter, Bagger und ein wenig Rasenfläche gibt es hier nichts für uns. Schade ...
Wir fahren zum "nicht_so_schönen Platz Camping Groven. Dort ist auch niemand und ein Zettel am Rezeptionsgebäude weist und an, irgend einen Platz zu besiedeln und eine Telefonnummer anzurufen. Das machen wir.
Morgen geht es dann nochmal 50 km zum schweren Wasser. Und anschließend müssen wir noch leichtes Gas tanken ...